Wärmewende: Heizen muss für alle Offenbacher:innen nicht nur im Sommer bezahlbar sein!

– Stadtfiebers Forderungen an die Politik und Verwaltung unserer Stadt

Wir können weiterhin jedes Mal gebannt auf die Zapfsäulen und die Erdgasbörsenpreise bzw. Speicherstände gucken, wenn ein Land (Russland, USA, Iran) seine Ressourcen als politisches Druckmittel einsetzt. Nur warum?
Alle technischen Voraussetzungen für den Umbau der Gebäude-Energieversorgung sind gegeben. Gleichzeitig ist Offenbach die Stadt mit der geringsten Kaufkraft Deutschlands. Diesen Umbau sozial-gerecht zu gestalten ist möglich aber benötigt den politischen Willen dazu.

Wir fordern daher:

  1. Gestaltet die Wärmewende und Stromwende aktiv und sozial!
    Knapp 77 % der Haushalte in Offenbach wohnen zur Miete. Im Wärmeplan werden aber Mieter und deren Interessen komplett ignoriert. Genauso bleibt in der Stadtpolitik jegliche Form von lokaler Teilhabe an der Stromwende unbeachtet. Dies ist undemokratisch. Wir fordern, dass bei einem runden Tisch von Akteuren immer eine unabhängige Mietervertretung teilnimmt. Von diesem runden Tisch mehrheitlich beschlossene Empfehlungen sollen bindend in der Umsetzung werden, wenn diese Mietervertretung ebenfalls zugestimmt hat.

  2. Führt eine stadtweite Informationskampagne mit dem Oberbürgermeister als Schirmherr durch!
    Ziel der Kampagne wäre die Aufklärung über die Ziele der Wärmeplanung, die Verbreitung von Information zur Unterstützung beim Umbau, sowie die Bekämpfung von Desinformation. Dazu gehört insbesondere die kristallklare Kommunikation des anstehenden Erdgasausstiegs.

  3. Macht einen frühen und kontrollierten Erdgasaustieg bis 2040 zum Planungsziel.
    Das sukzessive Abschalten der Erdgasverteilstränge wird nötig um die Netzkosten für verbliebene noch angeschlossenen Haushalte so gering wie möglich zu halten. Gerade diesen Teilprozess des Erdgasaustieges unkontrolliert laufen zu lassen, ist sowohl für die verbliebenen Erdgasnutzer als auch für den Erdgas-Netzbetreiber existenzbedrohend.

  4. Mietenwucher und Mietüberhöhung gehört identifiziert und ggf. verfolgt.
    Das, durch diese illegal hohen Kaltmieten, extrahierte Geld fehlt den Menschen lokal an allen Ecken und Enden, inklusive der Heizrechnung. Wir schlagen im ersten Schritt die Einführung eines qualifizierten Mietspiegels vor.

  5. Hört auf kurzfristig zu Denken und zu Planen!
    Der jetzige Wärmeplan verfehlt das Ziel der Klimaneutralität geplant um 9.300 t CO2 jährlich ab 2045. Unabhängig von Fossilen ist das nicht. Günstig wird das auch nicht.
    Macht nicht den gleichen Fehler eurer Vorgänger, welche den Strukturwandel ignorierten, bis Offenbach verarmt, hochverschuldet und handlungseingeschränkt war. Jetzt werden die Weichen für die nächsten 20 Jahre gestellt.

    Es ist an der Zeit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft Offenbachs übergreifend und vor allem sozial-ökologisch neu zu denken.

Die Wärmewende: Betrifft Jeden aber gute Informationen sind rar

Ein Infoabend von Stadtfieber


Die Heizkosten werden steigen. Diese Sorge vereint alle Anwesenden an diesem Abend. Nur wieviel droht? Und was kann getan werden?

Stadtfieber, die Bürgerinitiative für ein lebenswerteres Offenbach, hat zu einem Infoabend geladen. Das Thema ist die Wärmewende und notgedrungen etwas die Bundespolitik und das Weltgeschehen. Der Raum im Freiwilligenzentrum ist dementsprechend gut gefüllt.

Uebersicht der Themen: Kommunale Wärmeplanungm Rahmenbedingungen der Wärmwende und der Wärmewende Selbstcheck

Es geht los mit den Erkenntnissen der Stadt Offenbach selber: Über 50% der Heizungen, nach deren Daten, sind älter als 20 Jahre. Wobei 20 % älter sind als 30 Jahre und damit sehr wahrscheinlich einem Betriebsverbot unterliegen. Etwa 63% des Gebäudebestands wurde vor 1979 errichtet. Ab 1979 gelten strengere Baustandards, die schon jetzt eine wirtschaftliche Umstellung auf Wärmepumpen ermöglichen. Geheizt wird in Offenbach primär mit Erdgas. Abgeschlagen folgen Fernwärme (aus Kohle, Müllverbrennung und Erdgas) und Heizöl.

Wie kommt man also davon weg? Dies hänge individuell vom Alter der eigenen Heizung, dem Sanierungszustand des Gebäudes und den eigenen finanziellen Mitteln ab. Und davon ab, ob man Mieter oder Eigentümer des Wohnraums ist. Gerade Hauseigentümer sollten bei ihren Investitionen im Auge behalten, dass die Energiepreise von gestern in der Zukunft eher nicht mehr gelten werden. Tendentiell sei ein früher Umstieg am enspanntesten, so die Stadtfieber-Referentin Selina Müller. Von wasserstofffähigen Gasheizungen rät sie dringend ab. Wasserstoff wird woanders dringender gebraucht, ist knapp und damit teuer.

Im zweiten Teil ging es dann in den Austausch. Fachlich begleitet vom eingeladenen Bündnis Wärmewende Frankfurt in Person von Maurice Fischer.

„Ist Geothermie eine Alternative zur Wärmepumpe?“: „Ja, falls Potential dafür im Untergrund vorhanden ist.“

„Wie zufrieden seid ihr bei euch in Frankfurt mit der Bürgerbeteiligung zur Wärmeplanung?“ „Absolut nicht zufrieden. Die Menschen, selbst klimaaktive Leute, kriegen kaum etwas mit.“; „Was bedeutet die Grüngasquote?“ „ Wenn das kommt wird es unnötigerweise extrem teuer. Insbesondere für Mieter.“

Das Für und Wieder der Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet wiederum wurde lebhaft diskutiert. Allen war aber wichtig, dass sie nur dort entstehen sollten, wo ihre Abwärme genutzt werden kann.

Es war ein langer Abend. Und eins ist kristallklar. Es gibt einen erheblichen Informationsbedarf, den Stadtfieber nun versucht mit einem ersten Selbstcheck zu begegnen.

Die vollständige Stadtfieber Präsentation von dem Tag.

Die seit Anfang März verfügbaren Unterlagen der Stadt Offenbach:

https://stadtfieber.org/wp-content/uploads/2026/03/OF-Waermeplanung-Bestandsanalyse.pdf

https://stadtfieber.org/wp-content/uploads/2026/03/OF-Waermeplan-Entwurf-Anhang-1.pdf

Den Selbstcheck und weiterführende Links mit tieferen Informationen zur Orientierung findet Ihr unserem anderen Beitrag: